Was Frauen für mehr Sichtbarkeit tun können.

„Why Have There Been No Great Women Artists?“ ist der Titel eines Essays von Linda Nochlin (1931-2017) aus dem Jahr 1971. Die amerikanische Kunsthistorikerin nahm für dieses Essay ein Gespräch mit einem befreundeten Kurator zum Anlass. Dieser sagte ihr, er würde ja gern mehr Frauen ausstellen, es gäbe aber einfach keine großartigen Künstlerinnen.  Nochlin untersuchte daraufhin die institutionellen Hürden, die für die massive Unterrepräsentation von Künstlerinnen in der Kunstwelt verantwortlich sind.
Bis heute hat sich kaum etwas an dieser Lage geändert. Aktuell entbrennt die Diskussion über Quoten in der Kunst und männliche Seilschaften aufs Neue, ausgelöst durch eine Ausstellung des NRW Forums mit einem Frauenanteil von nicht einmal 10%. Ich bin fest davon überzeugt, dass es für eine Veränderung dieses Ungleichgewichtes wichtig ist, Kräfte zu bündeln und sich gut zu vernetzen. Deshalb engagiere ich mich in Frauennetzwerken!

Jessica Bennett stellt in ihrem 2016 erschienenen „Feminist Fight Book“ acht goldene Regeln vor, wie Frauen sich untereinander unterstützen können.
Die drei wichtigsten Regeln sind:
1. Help each other
2. Hire each other
3. Pass on your wisdom

Sie beschreibt hier den Netzwerkgedanken, dem sich auch Pro Exzellenzia 4.0 verpflichtet hat. Deshalb ist Pro Exzellenzia 4.0 solch ein Erfolgsmodell: Stipendiatinnen, Alumnae und Teilnehmerinnen unterstützen sich, stellen einander ein und vor, vermitteln und beraten sich gegenseitig.
Einem ähnlichen Gedanken folgt auch das informelle Netzwerk SALOON, das die Berliner Kuratorin Tina Sauerländer gegründet hat und dessen Mitglied ich im Hamburger Netzwerk bin. Seit 2017 veranstalten Tina Sauerländer und ich die „Why Have There Been No Great Women Artists*?“- Nacht in Berlin. In Kurzvorträgen stellen SALOON-Mitglieder Themen und Persönlichkeiten vor, die das Kunstgeschehen ihrer jeweiligen Zeit entscheidend mitprägten, in der Geschichtsschreibung jedoch wenig bis gar nicht berücksichtigt wurden. Damit rücken Frauen in der Kunst der vergangenen Jahrzehnte ins öffentliche Bewusstsein.
Geplant sind solche Abende auch in Hamburg, um die hiesige, von starken Frauen mitgeprägte Kunst-und Kulturszene für den Netzwerkgedanken und für emanzipatorische Modelle zu sensibilisieren. Denn die Forderung nach mehr Sichtbarkeit hat nichts mit Hashtag-Feminismus zu tun. Es ist eine sinnvolle Forderung nach mehr Vielfalt, nach Qualität und einem Abbild unserer Gesellschaft in der Kunst und Kultur, wie diese auch in der Realität aussieht: Mit einem Frauenanteil von mindestens 50 %. Ein starkes Netzwerk ist darüber hinaus nicht nur für ein Vorankommen in Kunst, Wissenschaft und Forschung unabdingbar. Ein Ort des informellen Austauschs auch über die Schwierigkeiten im Alltag, die (Un-)Vereinbarkeit von Familie und Karriere sowie von Lob und Kritik erhöht die persönliche Resilienz.

Vernetzung gewünscht: Mein Aufruf!
Daher an dieser Stelle der Aufruf an alle Alumnae, Stipendiatinnen, Teilnehmerinnen sowie an Ihre Netzwerke, liebe Leser*innen, sich gegenseitig aktiv zu stärken. Für meine Veranstaltung „Why Have There Been No Great Women Artists*?“ wünsche ich mir Ihre Ideen. Ganz konkret können das Hinweise auf Räume und mögliche Kooperationspartner*innen sein, Vernetzung, um in Austausch mit anderen Hamburger Kunst-und Kulturschaffenden zu kommen, sowie Hinweise auf Ausschreibungen und Fördermöglichkeiten.
Über Rückmeldung per E-Mail an y.zindel@gmx.de freue ich mich!

Ein Gastbeitrag der Pro Exzellenzia-Stipendiatin Yvonne Zindel.