In der Unternehmenskultur muss (Gender) Diversity als strategischer Prozess verankert sein

Claudia Güsken, Vorständin Personal und Betrieb der Hamburger Hochbahn AG
Quelle: Hamburger Hochbahn AG

Claudia Güsken, Vorständin des Ressorts Personal und Betrieb der Hamburger Hochbahn AG, ist neues Beiratsmitglied von Pro Exzellenzia! Warum es für die Erhöhung des Anteils von Frauen in Führung zentral ist, dass Gender Diversity in der Kultur von Organisationen verankert ist, welche Karrierestrategien und Führungsthemen uns in Zukunft beschäftigen und welche Ziele Claudia Güsken mit ihrem Engagement als Beiratsmitglied von Pro Exzellenzia verfolgt – das verrät sie uns in diesem exklusiven Interview.

Pro Exzellenzia: Liebe Frau Güsken, wir freuen uns ausgesprochen, dass Sie den Beirat von Pro Exzellenzia mit Ihrer Expertise und Perspektive bereichern. Sie sind seit September 2017 Vorständin Personal und Betrieb bei der Hamburger Hochbahn AG. Wie war Ihr Werdegang in diese Top-Managementfunktion?

Claudia Güsken: Nach meiner Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau und Tätigkeit als Bilanzbuchhalterin in verschiedenen Unternehmen war ich rund zehn Jahre in leitenden Positionen bei Lufthansa CityLine, zunächst im Finanzbereich und zuletzt etwa fünf Jahre als Personalleiterin. Im Anschluss habe ich rund fünf Jahre als Dataport-Vorstand den Bereich Ressourcen (Finanzen, Personal, Einkauf, interne IT und Services) verantwortet und in diesem Zuge die Gestaltung der personalpolitischen Arbeits- und Rahmenbedingungen von etwa 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorangetrieben. Dataport ist der Informations- und Kommunikationsdienstleister für die öffentliche Verwaltung in sechs Bundesländern. 2017 wechselte ich zur Hamburger Hochbahn AG als Vorständin für das Ressort Personal und Betrieb.

Pro Exzellenzia: Gab es Karrierestrategien von denen sie heute sagen würden, dass sie besonders hilfreich für den Aufstieg waren?

Claudia Güsken: Am Anfang meiner Laufbahn hatte ich keine explizite Karrierestrategie. Ich wusste aber sehr früh, dass ich „mehr“ will und das hieß für mich: Gestalten, Einfluss nehmen, Verantwortung tragen, gute Führung leben u.a. – das alles in attraktiven Unternehmen und auch die Konditionen spielten eine Rolle. Das im Blick hatte ich immer viel Freude an meinen jeweiligen Aufgaben, war aber auch offen für Veränderungen – sowohl fachlich als auch in Bezug auf die Branche. Ich habe mich schon immer über den Tellerrand meiner eigentlichen Verantwortungsbereiche eingebracht, Gelegenheiten genutzt, laut zu sagen was ich erreichen möchte, und Wechsel forciert, wenn ich mich weiterentwickeln wollte. Dabei war ich aber nie „verbissen“ auf ein bestimmtes Karriereziel festgelegt, sondern habe mit einer gewissen Gelassenheit immer Schritt für Schritt gemacht.

Pro Exzellenzia: Was raten Sie Frauen, die einen Aufstieg ins Top-Management anstreben?

Claudia Güsken: Natürlich müssen Frauen den Aufstieg selbst wollen und bereit sein, den dafür notwendigen Einsatz zu bringen. Dazu gehört auch, dass sie ihre Ziele gegenüber ihren Führungskräften klar formulieren. Gleichzeitig ist eine Vernetzung innerhalb und außerhalb ihres Unternehmens wichtig, sowohl in Frauen- als auch in gemischten Netzwerken. Dort müssen sie ebenfalls deutlich machen, wohin sie beruflich streben. Schließlich können Mentorinnen und Mentoren bei der beruflichen Entwicklung sehr hilfreich sein.

Pro Exzellenzia: Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement als Beiratsmitglied von Pro Exzellenzia?

Claudia Güsken: Für Frauen ist es wichtig, in welchem Umfeld sie tätig sind. In der Unternehmenskultur muss die (Gender) Diversity als strategischer Prozess verankert sein. Das Unternehmen muss die männlichen und weiblichen Karrieren gleichermaßen fördern und die Geschlechterbalance als Wert, nicht als Compliance-Thema, ansehen. Dort muss ein Bewusstsein für die besonderen – auch unbewussten –Hindernisse herrschen, denen Frauen im Berufsleben begegnen.
Bewegen Frauen sich in einer männlich geprägten Unternehmenskultur, in der es nicht mehr als Lippenbekenntnisse zu Gender Diversity gibt, werden sie es schwer haben, ihre Ziele zu erreichen.
Durch mein Engagement als Beiratsmitglied möchte ich gerne mit dazu beitragen, dass Unternehmenskulturen sich verändern und Frauenkarrieren gleichermaßen selbstverständlich sind wie die von Männern.

Pro Exzellenzia: Was sind die zentralen Führungsthemen der Zukunft? Besonders im Hinblick auf Führungskompetenzen und Gender.

Claudia Güsken: Da sehe ich erstens einen agilen Führungsansatz, der die Begriffe Vernetzung, Offenheit, Partizipation und Agilität in Verbindung mit Vertrauen in unserer zunehmend komplexen und dynamischen Arbeitswelt in den Fokus rückt.

Vor genau diesem Hintergrund sehe ich zweitens die spannende Herausforderung für Führungskräfte das Nebeneinander von agilen und klassischen Stilen und Strukturen zu managen und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bei der Digitalisierung mitzunehmen.

Drittens gilt es für Führungskräfte Gender Diversity als Chance im Unternehmen zu begreifen. Die Umsetzung sollte nicht aus Compliance-Überlegungen, sondern aus Überzeugung vorangetrieben werden.

Pro Exzellenzia: Wie kann es großen Unternehmen, wie der Hamburger Hochbahn AG gelingen, den Anteil von Frauen im Top-Management zu erhöhen und Chancengleichheit herzustellen?

Claudia Güsken: Gender Diversity ist als strategischer Prozess in unsere Unternehmensstrategie integriert. Darin entwickeln wir Strategien, um die Akzeptanz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für dieses Thema zu schaffen und zu verbessern. Wir wollen zudem die Diversity-Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herstellen bzw. erhöhen.
Hierfür müssen wir Führungskräfte als Treiber für das Thema gewinnen sowie Ausschreibungs-, Bewerbungs- und Einstellungsprozesse „Diversity-fest“ machen.
Verbindliche Zahlenvorgaben für einige Bereiche oder das gesamte Unternehmen können uns dabei gegebenenfalls unterstützen.

Die HOCHBAHN bietet ja unter anderem viele spannende Berufsfelder im technischen Bereich. Dort verstärken wir zum Beispiel unsere Aktivitäten, um Frauen zukünftig mehr auf uns als attraktive Arbeitgeberin aufmerksam zu machen.

Pro Exzellenzia: Ich danke Ihnen sehr herzlich für das Interview!