Wissen teilen! Erstes Vorsingen? Übung macht die Meisterin! Teil II

von Dr. Dieta Kuchenbrandt, langjährige Trainerin bei Pro Exzellenzia.
Um sich bei einer Bewerbung auf eine Professur strategisch möglichst klug aufzustellen, ist es wichtig, sich mit den Spielregeln des Bewerbungsprozesses auseinanderzusetzen. I, Blogletter 1/2020 (https://pro-exzellenzia.de/2020/03/06/wissen-teilen-und-vernetzen/) konnten Sie sich zu den wichtigsten Fragen hinsichtlich der schriftlichen Bewerbung informieren. Lesen hier nun die Fortsetzung der FAQs zu Bewerbungen auf eine Professur.

FAQs zu Bewerbungen auf eine Professur

 

(3) Was passiert, wenn ich eingeladen werde?

Dann trinken Sie erst einmal ein Glas Sekt, klopfen sich selbst kräftig auf die Schulter und verschaffen sich dann möglichst viel freie Zeit für die Vorbereitungen!

Antwort: Die Standardelemente im mündlichen Teil des Berufungsverfahrens sind ein hochschulöffentlicher wissenschaftlicher Vortrag (meist 20-30 Minuten) plus Diskussion (meist 10-15 Minuten), häufig eine Lehrprobe (20-30 Minuten, meist vorgegebenes Thema, an Hochschulen oft 40-60 Minuten) sowie das Interview mit der Kommission (30-60 Minuten). Hier gibt es aber durchaus Variationen. Der wissenschaftliche Vortrag ist nicht gleichzusetzen mit einem Vortrag, wie Sie ihn auf einer Konferenz halten würden. Er ist thematisch oft etwas breiter, soll einen Eindruck zu Ihrem Forschungsportfolio vermitteln und nicht nur eine einzige Studie abdecken. Der Vortrag sollte nicht (allein) auf Expert*innen in Ihrem Gebiet zugeschnitten sein, sondern der fachlichen Breite und der unterschiedlichen Niveaus (von Studierenden bis Professor*innen) in der Berufungskommission Rechnung tragen. Wichtig: Passung zur ausgeschriebenen Professur sowie Fokus auf Sie als erfolgreiche Forscher*in (eigene Drittmittel, Publikationen, (inter-)nationale Kooperationen sollten hier z. T. sichtbar werden). Der Forschungsvortrag sollte am Ende auch einen Ausblick darauf ermöglichen, wie Sie sich mit Ihrer Forschung am Hochschulstandort einbringen möchten. Auch die didaktische Qualität des wissenschaftlichen Vortrags wird beurteilt.

Das Interview ist für viele Bewerber*innen das beängstigendste Element, sicherlich, weil wir hier am wenigsten Kontrolle erleben. Dennoch: Vorbereitung ist alles! Themen, die fast immer abgefragt werden: Motivation zur Bewerbung, Diskussion Ihres Forschungskonzepts und wie Sie sich am Hochschulstandort einbringen möchten (z.B. mit wem Sie wozu kooperieren möchten am Institut, an der Fakultät, an der Universität und eventuell darüber hinaus), Drittmittelpläne, Lehrerfahrung und Lehrkompetenz, Gleichstellung (Wie berücksichtigen Sie Genderaspekte in Ihrer Lehre? Wie und mit welchen Maßnahmen fördern Sie Nachwuchswissenschaftlerinnen?), Führungserfahrung, Nachwuchsförderung und Erfahrungen in der akademischen Selbstverwaltung. Je besser für die Kommission ersichtlich wird, dass Sie sich sehr gründlich mit dem Hochschulstandort auseinandergesetzt haben (Wer macht dort was? Für welche Lehrangebote werde ich zuständig sein? Welche Gleichstellungsmaßnahmen – etwa Mentoringprogramme – setzt die Hochschule um? Welche Forschungsverbünde gibt es vor Ort? Was ist das Profil der Hochschule und wie füge ich mich dort ein?), desto höhere Chancen hat das Kommissionsgespräch, ein gutes Gespräch zu werden.

(4) Was kann ich sonst noch tun?

Sicherlich eine Menge. Aber lassen Sie mich noch drei Tipps zum Abschluss dieses Beitrags geben:

  1. a) Wenn Sie die Chance haben, Mitglied in einer Berufungskommission zu werden (z.B. als Mittelbauvertreter*in), nutzen Sie sie! Damit haben Sie nicht nur ein weiteres Item für Ihren CV, Sie lernen dort wie nirgendwo anders, was hinter den Kulissen passiert.b) Falls Ihre Hochschule (oder Pro Exzellenzia plus im Jahr 2021!) ein Berufungstraining anbietet, nutzen Sie diese Möglichkeit. Das Wissen über Berufungsverfahren und das aktive Üben helfen Ihnen nicht nur bei der Bewerbung, sondern auch bei der Karriereplanung. Zudem gibt es immer mehr spezifische Coachingangebote zur Vorbereitung auf ein Berufungsverfahren.c) Nutzen Sie Ihr Netzwerk. Befragen Sie Ihre erfahrenen Fachkolleg*innen und Mentor*innen zu Ihren Erfahrungen aus Berufungsverfahren bzw. eigenen Bewerbungen. Lassen Sie sich von Kolleg*innen Rückmeldung zu Ihren Unterlagen geben und machen Sie ein „Vorsinge-Bootcamp“ (also simulieren Sie mit Kolleg*innen und Freund*innen die Anhörung), falls Sie eingeladen sind. Nutzen Sie Ihre Kontakte, um Informationen über ausgeschriebene Professuren zu bekommen.

Zu guter Letzt ein Buchtipp, der Ihnen weitere Einblicke verschaffen kann: Christine Färber & Ute Riedler (2016). Black Box Berufung. Strategien auf dem Weg zur Professur. 2. aktualisierte Auflage. Campus Verlag. Das Buch richtet sich insbesondere an Frauen und hält Hintergrundwissen und Tipps bereit, die für alle Bewerber*innen relevant sein können.

Viel Erfolg!

Zur Autorin:
Dr. Dieta Kuchenbrandt ist Psychologin und war mehrere Jahre als Wissenschaftlerin an verschiedenen Universitäten tätig. In ihrem Unternehmen schainundkuchenbrandt hat sie sich auf die Anliegen und Arbeitskontexte von Wissenschaftler*innen spezialisiert. Zu ihren wichtigsten Tätigkeitsschwerpunkten gehört die Unterstützung und Beratung von Postdocs, Nachwuchsgruppenleiter*innen und Juniorprofessor*innen bei der Bewerbung auf Professuren an Universitäten sowie Hochschulen.

Informationen zur Autorin finden Sie hier: www.schainundkuchenbrandt.com
E-Mail: dk@schainundkuchenbrandt.de

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