Pro Exzellenzia Newsletter 3/2017

Liebe/r Leser*in,

Neues wagen, die Komfortzone verlassen – dieses Motto passt zu unserer Herbstausgabe, zu der wir Sie herzlich begrüßen!
Neues auszuprobieren und ins Leben zu rufen setzt Mut und Kreativität voraus. Die Hamburger Malerin Anita Rée hatte diese beiden Eigenschaften! Sie ist unser Role Model in dieser Ausgabe. Ab dem 06. Oktober 2017 sind ihre Exponate in der Hamburger Kunsthalle zu sehen. Mutig ist es auch Sexismus zu thematisieren. Vor allem für Frauen. Dass Sexismus alltäglich stattfindet ist nicht neu, aber dass darüber öffentlich gesprochen wird, schon – wie unser ausführlicher Beitrag „Sexismus thematisieren!“ in dieser Ausgabe verdeutlicht.
Neu ist auch das Buch „Wirksame Coaching- und Beratungstools. Bewährte Praxis für Professionals“ von Dr. Stefanie Schönbach-Fuleda. Wir haben es gelesen und finden es spannend!
Führungsspitzen zu zweit zu bekleiden zählt ebenfalls zur Kategorie „neue Wege gehen“. Mit der neuen Vorsitz-Doppel-Spitze des Pro Exzellenzia-Beirats werden diese beschritten.
Dass wir in unserer täglichen Arbeit häufig Neues wagen, davon können Sie sich in diesem Newsletter überzeugen. Sowie in der Sonderausgabe, die Ende Oktober erscheint. Zu welchem Thema? Seien Sie gespannt!

Kreativ und mutig zu sein lohnt sich!
In diesem Sinne, kommen Sie gut durch den Herbst!

Doris Cornils & Anne-Kathrin Guder

WAS WIR ERLEBT HABEN

Kreative Zeiten. Der Sommer, wenn die Hamburger Hochschulen in die vorlesungsfreie Zeit gehen, viele ihren Jahresurlaub außerhalb von Hamburg genießen und auch bei Pro Exzellzia eine Workshop- und Vortrags-veranstaltungspause eingeläutet wird, eignet sich wunderbar für die Entwicklung kreativer, neuer Ideen! So erging es uns, nachdem wir, aus unseren Urlauben erholt zurück an den Schreibtisch, das neue Workshop- und Vortragsprogramm für 2018 entwickelten. Digitalisierung, Karriere, Arbeit, Gender und Führung 4.0 – dazu erwartet Frauen bei Pro Exzellenzia ein Top-Angebot, von und mit (wie immer) Top-Trainerinnen. Top-Speaker*innen zu diesen Themen wird es auch wieder in unseren Abendveranstaltungen geben. Wir freuen uns darüber!

Nicht vergessen und weitersagen: Mit einem Eintrag in unseren E-Mail-Verteiler sind Sie stets auf dem Laufenden und können als Erste*r einen Platz ergattern.
Einfach eine E-Mail an: pro-exzellenzia@hamburginnovation.de.

PS: Die Termine für die Bewerbungsberatung 2018 sind online! https://pro-exzellenzia.de/bewerbungsberatung/


Inspirierender Austausch mit unserem Beirat – und eine neue Doppel-Vorsitz-Spitze!
Wie in jedem Jahr gehört dieser Termin zu einem wertvollen für uns: Das Treffen mit den Pro Exzellenzia-Beiratsmitgliedern! Am 18.09.2017 war es wieder soweit und dieses Mal stand die Wahl eines neuen Beiratsvorsitzes an. Wir freuen uns ausgesprochen, dass Prof. Dr. Bessenrodt-Weberpals (Vize-Präsidentin der Hochschule für Angewandte Wissenschaften, HAW) und Martina Plag (Hachenberg und Richter Unternehmensberatung GmbH) den Vorsitz in einer Doppelspitze übernehmen!

Neu im Pro Exzellenzia-Beirat begrüßten wir Dr. Regina Back (Geschäftsführerin und Vorstand der Claussen-Simon-Stiftung) und Dr. Eva Wlodarek (Psychologin, Trainerin und Erfolgsautorin). In einem offenen Dialog tauschten sich die Beiratsmitglieder untereinander aus und gaben Anne-Kathrin Guder und Doris Cornils wertvolle Impulse. Die Pro Exzellenzia-Stipendiatin Anna Bromley stellte dem Beirat Aspekte aus ihrem documenta14-Radioformat „Das Lachen des Hyposubjekts“ vor und bereicherte mit ihrem künstlerischen Beitrag die Sitzung.

Wir danken allen teilnehmenden Beiratsmitgliedern für Ihre tollen, produktiven Ideen und Vorschläge! Darunter auch: Martin Mahn (Geschäftsführer von TuTech Innovation GmbH und Hamburg Innovation GmbH), Dr. Uwe Jean Heuser (Leiter des Wirtschaftsressorts der Wochenzeitung DIE ZEIT) und Dr. Katja Barth (Abteilungsleiterin für Forschung, Strukturplanung, Technologietransfer und IT-Management, Christian-Albrechts-Universität Kiel).

Leinen los für die Qualifizierung von Migrantinnen. Mit einem erfolgreichen Auftakt starteten wir am 21. September 2017 mit unserer neuen Programmlinie „Qualifizierung für Migrantinnen“. Wir begrüßen herzlich die Teilnehmerinnen bei Pro Exzellenzia!
Ein großes Dankeschön geht an die „Zentrale Anlaufstelle Anerkennung Hamburg“, das „Hamburg Welcome Center“, die Migrationsbeauftragten vom „Jobcenter team.arbeit.hamburg“, an „Be.Ing! – Brückenmaßnahme für zugewanderte Ingenieure und Ingenieurinnen“, „UHH hilft“, „TERTIA Berufsförderung GmbH & Co. KG“ und „Make it in Hamburg!“ sowie alle Einzelpersonen für den guten Austausch und ihre Unterstützung, Migrantinnen auf die Qualifizierung aufmerksam zu machen.

Pro Exzellenzia Projekt des Monats „Komm mach MINT“ und auf der Netzwerktagung in Berlin. Pro Exzellenzia ist das Projekt des Monats September von „Komm mach MINT“, nationaler Pakt für Frauen in MINT-Berufen https://www.komm-mach-mint.de/MINT-News/Projekt-des-Monats-September-2017. Mädchen und Frauen für MINT (Mathematik, Ingenieurwesen, Naturwissenschaft und Technik) zu begeistern und sie auf ihren Karrierewegen zu begleiten, dass vereint alle Projekte, die Partner*in von „Komm mach MINT“ sind. Auf der diesjährigen Netzwerktagung am 11.9./12.9. in Berlin bekamen wir die Gelegenheit mit anderen Pakt-Partner*innen ins Gespräch zu kommen und Pro Exzellenzia vorzustellen. Vielen Dank dafür!

Wie geht Engagement für echte Gleichberechtigung? fragte die HAMBURG WOMAN Anne-Kathrin Guder und Doris Cornils. Folgender Link führt Sie zum Beitrag: http://hamburgwoman.de/wie-geht-engagement-fuer-echte-gleichberechtigung/

Chefsache Award 2017. Wir gratulieren den Preisträger*innen 2017 „Tandemploy“ aus Berlin ganz herzlich! Unser Glückwunsch geht auch an die Zweit- und Drittnominierten „Ernest & Young“ und „Kompetenzzentrum Technik, Diversity, Chancengleichheit“!

WAS WIR WOLLEN

Sexismus thematisieren! Sie ploppt immer mal wieder auf, die sog. Sexismus-Debatte. So beispielsweise im Jahr 2013, als ein Porträt der Stern-Reporterin Laura Himmelreich über den FDP-Politiker Rainer Brüderle eine breite Diskussion über Sexismus auslöste. Schlagzeilen im August diesen Jahres machte hingegen ein Google-Mitarbeiter mit biologistischen Aussagen über Frauen. Sie seien ängstlicher und weniger belastbar und deshalb für Führungspositionen weniger geeignet als Männer. Neu sind solche Aussagen und ihre Auswirkungen nicht. Nur dass sie öffentlich gemacht und mit einer Sanktion, in diesem Fall der Kündigung des Google-Mitarbeiters, geahndet werden, ist es schon. Und in der weiteren Diskussion rund um das Silicon Valley zeigt sich: Der Sexismus ist in der IT-Branche allgegenwärtig. So wie er es auch im Wissenschaftsbetrieb und der Wirtschaftswelt, aber auch in Politik, Kultur, Verwaltung – und außerhalb der Berufswelt – ist.
Denn diese Debatten zeigen: Er existiert, der sog. Alltagssexismus. Und gleichsam wird über ihn im Alltag nicht selbstverständlich kommuniziert, vielmehr verschwindet er immer wieder aus der medialen und gesellschaftlichen Öffentlichkeit. Sexismus ist demnach kein Thema, das gesellschaftlich und medial dauerhaft und beständig Beachtung findet und einen festen Platz im gesellschaftspolitischen Diskurs hat, sondern vielmehr fragmentarische und zeitlich begrenzte Aufmerksamkeit durch Ereignisse wie obige erfährt.

Sexismus definieren
Sexismus basiert, laut wissenschaftlicher Definition, „auf der Vorstellung einer Ungleichheit zwischen Männern und Frauen, die Ungleichwertigkeit zwischen den Geschlechtern begründet. Männern und Frauen werden mit Verweis auf vermeintlich biologische Fakten unterschiedliche Charaktereigenschaften, Fähigkeiten und Neigungen zugeschrieben, die in ihrer Konsequenz erklären und rechtfertigen, warum Frauen im Durchschnitt weniger Macht, Einfluss, Vermögen und Zugangschancen als Männer haben“ (Die Abwertung der Anderen, S. 47).

Sexismus im neuen Gewand?
Sexismus – „der sich in klar abwertenden Stereotypen über Frauen äußert“ (ebd.) – hat in aufgeklärten Gesellschaften der Moderne ein neues Gewand: Dort wo nicht mehr offen sexistisch kommuniziert werden darf – also auf der Vorderbühne – wird auf biologisch-evolutionäre Begründungen für Unterschiede zwischen den Geschlechtern zurückgegriffen. Subjektive Beobachtungen und gesellschaftliche Stereotype werden herangezogen und derart mit biologischen Aspekten vermengt, dass der Sexismus im wissenschaftlicher Gewand daherkommt. Ganz im Stil des Google-Mitarbeiters, kommt am Ende dabei heraus, dass es in der Natur der Frauen begründet läge, dass sie eben keine Führungspositionen einnehmen könnten, weil sie zu ängstlich und vieles anderes mehr seien. Dass es sich hierbei um die Reproduktion altbekannter Argumente handelt und Geschlechterungleich kulturell und historisch bedingt sind, bleibt dabei völlig unbelichtet.
Auf der Hinterbühne – in informellen Situationen, wie an der Bar nach der Tagung, am Stammtisch etc. – ist es jedoch nach wie vor salonfähig offene sexistische Sprüche und Witze gegenüber Frauen zu machen. Diese Ausformung des Sexismus ist ebenso verbreitet wie ersterer – es spricht nur kaum jemand darüber. Auch nicht die betroffenen Frauen, die mit sozialer Abwertung durch Arbeitskollegen und -kolleginnen (!) und mit Karrierenachteilen zu rechnen haben, wenn sie verbale Anzüglichkeiten und körperliche Übergriffe durch männliche Kollegen und Vorgesetzte publik machen. Das in Unternehmen und im Wissenschaftsbetrieb auch diese Ausformung des Sexismus alltäglich vorkommt, zeigen Studien und Medienberichte.
In der repräsentativen Studie „Lebenssituation, Sicherheit und Gesundheit von Frauen in Deutschland“ im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) gaben insgesamt 58 Prozent der befragten Frauen an in unterschiedlichen Formen in ihrem Lebensalltag sexuelle Belästigung erlebt zu haben (BMFSFJ 2014). Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erleben, so eine Studie der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, rund die Hälfte aller Arbeitnehmer*innen. Am häufigsten geht sie von Männern gegen Frauen aus. Diese Zahlen sind erschreckend. Sexuelle Belästigung zählt damit zu einer häufigen Erscheinungsform der Gewalt gegen Frauen.

Wie sexistisch ist die Wissenschafts- und Wirtschaftswelt?
„Wie sexistisch ist die Uni?“ (DIE ZEIT v. 03.08.2017) und „Wie sexistisch ist die IT-Industrie?“ (DIE ZEIT v. 17.08.2017), fragt die große deutsche Wochenzeitung im August 2017. Sie wirf einen Blick auf „Männerzirkel, dumme Sprüche, Tätscheleien“ und den „Alltag für viele Frauen in der Wissenschaft“ (DIE ZEIT v. 03.08.2017) und Wirtschaft. In der Wissenschaft ist der Sexismus besonders subtil; gilt doch das Ideal und der Anspruch eines objektiven „neutralen Forschergeist(es)“. Gerade im vermeintlich aufgeklärten Milieu der Intellektuellen wird postuliert „Sexistisch? Wir doch nicht!“ (Süddeutsche v. 26.07.2017). Doch auch hier werden Frauen von Männerrunden ausgeschlossen, mit sexistischen Äußerungen konfrontiert und sind selten in Jurys, Ausschüssen und Führungspositionen vertreten. „Sexismus prägt die Wissenschaft. Er deformiert die intellektuellen Möglichkeiten ausgerechnet jener Institutionen, deren innerste Aufgabe es ist, mutiges Denken zu befördern“ (DIE ZEIT v. 03.08.2017).

Machtmechanismen verstehen
Dass diese Mechanismen, ob in der Wissenschaft oder in der Wirtschaft, in einem Zusammenhang mit Machtstrukturen stehen; diese Perspektive einzunehmen ist klug, führt sie doch zum Kern dessen was sich hinter dem alltäglichen Sexismus – mit seinen vielen Facetten – verbirgt. Der Soziologe Prof. Michael Meuser forscht seit vielen Jahren über Männlichkeit. „Homosoziale Männergemeinschaften sind lebensweltliche Orte, an denen sich Männer wechselseitig der Normalität und Angemessenheit der eigenen Weltsicht und des eigenen Gesellschaftsverständnisses vergewissern können. Dies geschieht umso effektiver, je weniger es den Beteiligten bewusst ist, dass die Gemeinschaft genau diese Funktion erfüllt“ (Meuser 2001, S. 14). Und: indem Männer unter sich bleiben! Nach Meuser haben alle gesellschaftlichen Bereiche eines gemeinsam: Es handelt sich um „soziale Orte, in denen zum einen der – heute allerdings nicht mehr bruchlos gelingende – Ausschluss von Frauen praktiziert wird, in denen zum anderen Hierarchien von Männlichkeit hergestellt werden“ (ebd., S. 25). Dass der Ausschluss von Frauen aus Herrenrunden durch z. B. sexuelle Andeutungen, doppelbödige Witze etc. erfolgt, zeigen verschiedene Studien. Die Ergebnisse im Forschungsprojekt „Mikropolitik: Aufstiegskompetenz von Frauen“ zeigten, dass Frauen regelmäßig die Erfahrung auf Tagungen machen mittels sexistischer Bemerkungen aus den abendlichen Zusammenkünften an der Bar ausgeschlossen zu werden (vgl. Freie Assoziation, S. 8). Nun mag man sich fragen: Wozu ist es wichtig dort dabei zu sein? Es sind eben jene Treffen, in denen die homosoziale Männergemeinschaft ihr Netzwerk pflegt, neue Projekte ins Leben ruft und berufliche Aufstiegspläne schmiedet. Neben der unangenehmen Erfahrung der sexuellen Belästigung sind Frauen somit auch deutlich im Nachteil, was ihre Karriere und den Zugang zu Netzwerken betrifft.

Sexismus thematisieren
Sexismus in seiner eingangs zitierten Bedeutung ist so vielfältig und im Alltag präsent, dass es an der Zeit ist, sich einer Debatte darüber dauerhaft zu stellen. Sie zeigt sich uns, neben den bereits beschriebenen Ausformungen, tagtäglich in der Werbung, darin, dass Frauen weniger Gehalt bekommen und sie seltener auf Tagungen oder anderen öffentlichen Veranstaltungen als Speakerinnen eingeladen werden als Männer. Und in so vielem mehr.

Damit sich diese (Macht-)Verhältnissen verändern, braucht es eine mutige und offene Diskussion über die verschiedenen Ausformungen und Erfahrungen des Alltagssexismus. Es bedeutet, Sensibilität für Machtstrukturen und der im Alltag hergestellten Ungleichheit zwischen Männern und Frauen zu entwickeln und auf Basis profunder Forschungserkenntnisse ehrliche (Selbst-)Reflexion hinsichtlich der Reproduktion dieser Mechanismen in Wirtschaft, Wissenschaft und anderen Institutionen zu betreiben.

Quellen: Aufgrund von Darstellungsproblemen auf Anfrage.

ÜBER FRAUEN, DIE ENTSCHEIDEN MEHR ZU WOLLEN


Anita Rée, eine bedeutende Hamburger Malerin der 1920er Jahre, war eine Künstlerin, die von ihrer Kunst leben wollte. (Fotos: Elke Walford)

Im Herbst präsentiert die Hamburger Kunsthalle Exponate der Hamburger Malerin Anita Rée. 150 Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und andere Objekte werden in der Zeit vom 06. Oktober 2017 bis 04. Februar 2018 präsentiert http://www.hamburger-kunsthalle.de/presse/ausstellungen/anita-ree.

Anita Rée galt als „unzeitgemäße Frau“ (Hamburger Abendblatt) und zählte zu den wichtigsten Künstlerinnen der Moderne. Wobei eigentlich „Künstler“, in männlicher Form, der Realität näherkäme, denn Anita Rée zählte zu einer der wenigen weiblichen Malerinnen der 1920er Jahre. In einer von Männern dominierten Künstlerwelt wählte sie „Kunst statt Kochtopf“ (Kunstmarkt.com) – was zu Leb- und Schaffenszeiten von Anita Rée (1885-1933) keinesfalls selbstverständlich war. Rée, aus einer wohlhabenden jüdisch-liberalen Kaufmannsfamilie stammend, musste nicht nur ihre Eltern davon überzeugen, in Malerei ausgebildet zu werden. Da es Frauen nicht erlaubt war, Kunstakademien zu besuchen, sucht Anita Rée, trotz familiärer und gesellschaftlicher Widerstände, nach Möglichkeiten die Malerei professionell zu erlernen. Im ländlichen Hittfeld – nahe Hamburg – entstand in dieser Zeit rund um die Maler Arthur Siebelist, Franz Nölke, Arthur Illies und Ernst Eitner – eine Künstler-Kolonie, in der der französische Impressionismus im Mittelpunkt stand. Arthur Siebelist, bei dem die 21-Jährige Anita Rée Malereiunterricht nahm, und auch Max Liebermann waren von ihrem Talent beeindruckt, weshalb Rées Eltern ihre Bedenken zerstreuten, ihr ein Atelier im Elternhaus einrichteten und fortan die berufliche Weiterentwicklung ihrer Tochter unterstützten. Die Künstlerin zog es nach Paris, wo sie die Kunst von Picasso, Matisse und Cézanne studierte und sich der kubistischen Malerei widmete, die sich in ihren späteren Porträts widerspiegelt.


1919 zurück in Hamburg wurde sie zu einer anerkannten Künstlerin und zu den Gründungsmitgliedern der Künstlervereinigung „Hamburgische Sezession“. Ihren künstlerischen Höhepunkt erlebte Anita Rée jedoch im italienischen Positano, wo in der Zeit von 1922 bis 1925 zahlreiche ihrer Werke entstanden. Dazu zählen „Weiße Bäume“, „Teresina“ und der „Halbakt vor Feigenkaktus“.

Als Künstlerin beliebt und anerkannt, bewegte sich das Innenleben der Künstlerin hingegen zwischen „Glück und Verzweiflung“ (Art-Magazin.de). Obgleich ihre Werke für die damalige Zeit hoch gehandelt wurden, litt sie unter Existenzängsten, die sie dazu bewegten, entbehrungsreich zu leben. Sie empfand ihr Leben als Single und mit wenigen Freundschaften als zunehmend einsam; zudem plagten sie große Selbstzweifel. Anita Rée führte immer mehr das Leben einer Nomadin.

Zu Beginn der 1930er Jahre nahmen die nationalsozialistischen Diffamierungen gegenüber Künstler*innen mit jüdischer Abstammung zu. Zu dieser Zeit wurde auch Rée von völkisch-rassistischer Hetze bedroht. Ein Auftrag für ein Wandbild in der St. Ansgar Kirche in Langenhorn wurde aufgrund des Drucks durch die Nationalsozialisten zurückgezogen. „…obwohl Anita Rée evangelischen Glaubens war. Nationalsozialisten argumentierten, dass eine Jüdin kein christliches Retabel malen könne. Der Kirchenrat knickte ein“ (juedische-geschichte-online.net). Anita Rée verließ 1932 Hamburg und zog alleine nach Sylt. Dort endete das Leben der Künstlerin tragisch: Von Ängsten, Einsamkeit und Verzweiflung geplagt, nahm sie sich im Jahre 1933 in Kampen das Leben.

Das dramatische Lebensende der Künstlerin war den lebenslang andauernden Selbstzweifeln, den inneren Ambivalenzen und dem Einfluss des Nationalsozialismus geschuldet. Ihr Weg zeugt dennoch von Willens- und Durchsetzungsstärke und macht sie zu einem Rollenvorbild (auch in heutigen Zeiten). Ihr fester Entschluss, den eigenen Talenten und Wünschen Ausdruck zu verleihen, war es, der ihr half, auch gegen familiären und gesellschaftlichen Widerstand, ihren Weg als Künstlerin zu gehen. Anita Rée entsprach nicht den sozialen Konventionen ihrer Zeit, sondern brach mit ihnen. Sie wurde zu einer der wichtigsten Künstlerinnen der Moderne und erfuhr als solche gesellschaftliche Anerkennung. Ihr Wirken und ihre Werke sollten Sie sich, liebe Leserschaft, nicht entgehen lassen!

Quellen: Aufgrund von Darstellungsproblemen auf Anfrage.

WAS WIR SPANNEND FINDEN


Coaching- und Beratungstools im Buchformat. Die erfolgreiche Coach und Trainerin Dr. Stefanie Schönbach-Fuleda, die Pro Exzellenzia bereits seit vielen Jahren mit ihrer Expertise unterstützt, veröffentlichte soeben das Buch „Wirksame Coaching- und Beratungstools. Bewährte Praxis für Professionals“ (im September 2017 im Ziel-Verlag erschienen). Es behandelt wirksame Coaching- und Beratungstools, die einen Einblick in die Facetten und Tools von (Selbst-) Führung geben.

Sie zeigt in ihrem Buch auf, mit welchen Methoden die Selbstwirksamkeit effektiv erhöht werden kann. Jedes Tool führt in die Themen ein, stellt Übungen bereit und gibt Literaturhinweise für die vertiefende Auseinandersetzung. Das Besondere an dem Buch ist der hohe Praxisbezug. Die Tools befassen sich mit zentralen Themen aus dem beruflichen Umfeld – ausgewählt und in der Zusammenarbeit mit Coachees bewährt.

Persönlichkeitsentwicklung, Selbst- und Zeitmanagement, Kommunikation und Konfliktklärung, Teamprozesse und Karrierewege sind die Themen, die in Coaching- und Beratungsprozessen im Mittelpunkt stehen. Einige Tools eignen sich auch zum Selbstcoaching und sind für Sie, liebe Leser*innen deshalb interessant, weil Sie sie alleine ausprobieren und ggf. anwenden können.

Die Macherinnen von Pro Exzellenzia haben im Austausch mit Dr. Stefanie Schönbach-Fuleda einen Blick in einige Tools geworfen und nach dem Nutzen – gerade auch für unsere Zielgruppe – gefragt. Einige der Themen bieten wir in unseren Workshops an, andere sind Anliegen im Coaching mit den Pro Exzellenzia-Stipendiatinnen. Was wir an dem Buch spannend finden, ist die pointierte Art und Weise, wie die Autorin Impulse zur (Selbst-) Reflexion beruflichen Handelns gibt. Coachs und Berater*innen, aber auch Führungskräfte und alle an Psychologie Interessierten bekommen Praxiswissen kompakt, verständlich und durch Grafiken veranschaulicht an die Hand. Hier ein kurzer Überblick, was Sie in dem Buch erwartet.

Persönlichkeitsentwicklung folgt dem Credo „Verändern kann ich nur mich selbst!“ und enthält hilfreiche Tools, um sich der eigenen Persönlichkeit bewusst zu werden: Wie sehe ich mich selbst? Wie gestalte ich Beziehungen? Welche Blockaden verhindern persönliche Entwicklungen? sind Fragen, die wir auch persönlich spannend finden und eine wesentliche Grundlage für Führung darstellen!

Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden stehen im nächsten Kapitel im Fokus: Wie achtsam gehe ich mit meinen Gefühlen, Bedürfnissen und meiner Gesundheit um? Was sind meine Stressfaktoren und welche Methoden eignen sich zur Stressprophylaxe? Wie kann ich mich und meine Zeit gut managen, wenn „Zeit endlos und endlich zugleich ist“? Gerade vor dem Hintergrund unserer flexibilisierten und zunehmend komplexer werdenden Arbeits- und Lebenswelt (Stichworte: Arbeit 4.0, Digitalisierung, Entgrenzung von Arbeit und Leben), ein zentrales und wichtiges Thema!

Zeitlos und immer relevant, die Themen Kommunikation und Konfliktklärung. So, wie im „richtigen“ Leben. Was Sie schon immer über Kommunikation wissen wollten, bekommt in diesem Kapitel einen Platz. Vielleicht kommt Ihnen einiges bereits aus unseren Workshops bekannt vor? Körpersprache und Stimme. Verständlich kommunizieren und klare Botschaften auf der Inhalts- und Beziehungsebene senden. Wie Sprache Glaubenssätze, Werte und einschränkende Werte „verrät“. Mit welchem Konfliktstil die „Arena“ betreten wird und wie Konflikte konstruktiv zu lösen sind. Und final: In Verhandlungen zum Ziel kommen und Win-Win-Situationen herstellen.

In dem Kapitel Teamprozesse gestalten hat uns besonders das Tool „Riemann-Thomann-Modell – Unterschiede wertschätzen“ angesprochen. Vorangestellt sind Kernfragen wie zum Beispiel: „Was leistet das Modell in der Konfliktklärung und Teamentwicklung?“ Die nachfolgende Praxisübung führt zu einem ersten Aha-Effekt hinsichtlich des unterschiedlichen Verhaltens von Menschen. Für den sog. „Nähe-Menschen“ ist die offensive Konfliktklärung eher bedrohlich, weshalb diese eher den Rückzug wählen. „Distanzmenschen“ hingegen brauchen Klarheit und Abgrenzung als Zeichen von Vertrauen und gegenseitiger Akzeptanz. An diesem Praxisbeispiel wird deutlich: Für Kommunikation und Konfliktklärung braucht es gegenseitiges Verstehen und das Anerkennen von Unterschieden! Wie beide „Typen“ dorthin gelangen, verrät ihnen die Autorin selbstverständlich auch!

Karriere gestalten – ein spannendes Tool, weil danach geschaut wird, was Menschen wichtig ist und was sie motiviert, sich so und nicht anders zu verhalten. Vor dem Hintergrund unserer Arbeit wissen wir, dass das Wissen und die Reflexion um die eigenen Antriebskräfte und Widerstände im beruflichen Umfeld Frauen dabei unterstützt, ihren Weg zu gestalten. Deshalb zählt „Karriere gestalten“ zu einem zentralen Thema für unsere Arbeit – wie auch zu einem in diesem Buch! Weitere Tools wie der Ablauf von Telefoninterviews, Assessment Centern oder die Funktion von Projektleitung und –steuerung verdeutlichen den hohen Praxis- und Anwendungsbezug.

„Wirksame Coaching- und Beratungstools. Bewährte Praxis für Professionals“ von Dr. Stefanie Schönbach-Fuleda finden wir aus vielerlei Gründen empfehlenswert. Zum einen gibt die Autorin Frauen in Führung oder diejenigen, die in Führung gehen wollen sowie auch jenen, die Anregungen für Selbstreflexion und bei der Gestaltung ihres beruflichen Weges suchen, wertvollen Input und praxisnahe Anwendungsbeispiele. Zum anderen zeigt sie für Coaches, Berater*innen und Trainer*innen ein umfassendes Portfolio an Tools für ihre Arbeit auf und liefert für die Leser*innen Anregungen von Themen, die im Coaching behandelt werden können.

Wer mehr über die Tools und ihre Anwendung in der Praxis erfahren möchte: Lesen Sie das Buch und kommen Sie zu der Buchvorstellung von Dr. Stefanie Schönbach-Fuleda – einer Veranstaltung von Pro Exzellenzia am 14. Februar 2018!
Die Autorin wird Tools und Übungen aus ihrem Buch exklusiv im Rahmen dieser Veranstaltung vorstellen. Sie haben die Möglichkeit, dabei zu sein!

Dieser Beitrag entstand aus dem Austausch zwischen Dr. Stefanie Schönbach-Fuleda und Doris Cornils.

Das Projekt Pro Exzellenzia plus wird von der Europäischen Union und von der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH) finanziert. Die Förderlaufzeit von Pro Exzellenzia plus ist vom 01.04.2021 bis 31.12.2024. Projektträger ist Hamburg Innovation GmbH.
Europäischer Sozialfonds
Stadt Hamburg