Wissen teilen und vernetzen.

Es ist einfach toll ein Netzwerk von Frauen mit ausgezeichneten Expertisen zu haben, mit diesen im Austausch zu stehen, sich gemeinsam für gesellschaftliche Ziele einzusetzen …und, und, und. Dr. Dieta Kuchenbrandt eine von diesen Frauen. Sie ist Trainerin und Netzwerkpartnerin von Pro Exzellenzia 4.0 – und darüber sind wir sehr glücklich! In dieser und in der nächsten Blog-Letter-Ausgabe teilt die Psychologin und Hochschulexpertin ihr reichhaltiges Wissen über das sog. „Vorsingen“ und den Step eins dorthin, die Bewerbung auf eine Professur, mit Ihnen. Welch ein Geschenk!

Erstes Vorsingen? Übung macht die Meisterin! – Teil 1
Vor einigen Wochen bin ich auf der Internetpräsenz einer Hochschule auf folgenden Text gestoßen: „Eine Besonderheit ist der relativ große Anteil von Frauen an Studenten und Mitarbeitern. Mehr als 37% der Beschäftigten sind Frauen, rund 50% beträgt ihr Anteil derzeit bei den Studierenden. Der Anteil von Frauen an den besetzten Professuren beträgt mittlerweile etwa 20%.“ Stolpern Sie vielleicht auch beim Lesen? Nicht nur, dass die geschlechtergerechte Sprachverwendung fehlt; auch: fünfzig Prozent der Studierenden versus 20 % der Leitungskräfte dieser Hochschule sind Frauen. Nehmen wir alle Universitäten und Hochschulen zusammen, lag im Jahr 2018 der Frauenanteil in der Professor*innenschaft bei 24,73 % (Quelle: Statistisches Bundesamt). Verglichen mit den Vorständen in Dax-Konzernen (weniger als 9%) klingt das in der Tat viel. Und auch mit Rückblick beispielsweise auf das Jahr 2000 –  hier haben Frauen knapp 10,55 % der Professuren besetzt – ist eine Zahl um und jenseits der 20 % sicher als eine Errungenschaft zu lesen. Dennoch bleibt es ein Missverhältnis zwischen dem Anteil an erfolgreichen Studienabschlüssen (ca. 50% werden von Frauen erlangt) sowie erfolgreich abgeschlossenen Promotionen (knapp 45 % werden von Frauen erreicht) und den Führungspositionen an Hochschulen, die durch Frauen eingenommen werden.

Dieses Missverhältnis gilt es unter anderem durch die Hochschulen selbst zu verändern. Vor nicht wenigen Jahren war es durchaus noch möglich, vor einer ausschließlich männlich besetzten Berufungskommission „vorzusingen“. Heute werden Sie eine solche Kommission nur noch selten antreffen, die meisten Fakultäten sind um paritätisch zusammengesetzte Kommissionen bemüht. Zur Aufgabe von Berufungskommissionen gehört es mittlerweile, gezielt Wissenschaftlerinnen im Berufungsgebiet anzusprechen und zur Bewerbung einzuladen. Die Maßnahmenliste ließe sich fortsetzen.

Doch das allein genügt nicht. Auch Frauen (bzw. die potentiellen Bewerberinnen) müssen diesem Missverhältnis etwas entgegensetzen. Aus meiner Sicht beginnt das damit, die Spielregeln zu kennen und sich im Bewerbungsprozess strategisch möglichst klug aufzustellen. Ein Blick in die FAQ’s zu Professurbewerbungen kann hierzu ein erster Schritt sein.

FAQs zu Bewerbungen auf eine Professur

(1) (Wann) Sollte ich mich auf eine Professur bewerben?

Ganz häufig höre ich von Wissenschaftler*innen: „Da passe ich aber nicht gut drauf, da bewerbe ich mich besser nicht.“ – „Ich habe die Habil noch nicht fertig, da hab’ ich eh noch keine Chance.“

Richtig, in manchen Fachbereichen (insbesondere Medizin und vielen Geisteswissenschaften) stehen die Chancen ohne Habilitation eher schlecht, sind aber auch nicht bei null! Sind Sie nicht habilitiert, obliegt es der Kommission einzuschätzen, ob Ihre Leistungen habilitationsäquivalent sind (und hier gibt es eine nicht zu unterschätzende subjektive Komponente). Und, je besser Sie fachlich passen, desto höher mögen die Chancen sein. Auch das stimmt jedoch nur bedingt: Ihre Aufgabe im Bewerbungsprozess ist nicht, optimal zu passen, sondern sich passend zu machen. Und bedenken Sie: Nicht nur Ihre Forschung, auch Ihre Lehrerfahrung trägt zur Passung bei.

 Antwort:

Fangen Sie frühzeitig an, sich auf Professuren zu bewerben, warten Sie nicht, bis Sie ALLE Qualifikationskriterien erfüllen. Dies gilt sowieso für Juniorprofessuren (Direkt nach der Promotion? Ab Postdoc-Jahr 2-3? Die Berufungspraxis ist hier durchaus divers.) wie für W2- Nachwuchsprofessuren mit Tenure Track. Aber auch bei unbefristeten W2/W3-Professuren ist die Chance berufen zu werden oder wenigstens einen Listenplatz zu bekommen (ein dickes Plus in Ihrem CV) höher, wenn Sie sich bewerben als, wenn Sie sich nicht bewerben. Bewerben Sie sich auch auf Professuren, auf die Sie fachlich nicht optimal passen, wenn Sie Ideen haben, wie Sie Ihr Profil und Ihre künftigen Forschungspläne auf die Ausschreibung zuschneiden können. Das Bewerben auf Professuren will geübt sein, allein dafür ist das frühzeitige und etwas breitere Bewerben eine gute Strategie. Zu guter Letzt: Bedenken Sie, dass ein Berufungsverfahren in Deutschland zwischen ein und zwei Jahren dauert.

(2) (a) Was gehört zu den üblichen Unterlagen? (b) Wie stelle ich mich optimal in den schriftlichen Unterlagen dar? und (c) Was sollte ich vermeiden?

Generell sei vorausgeschickt: Das Wort BeWERBUNG ist ernst gemeint. Natürlich geht es nicht darum, unrealistische Erwartungen zu wecken. Aber es muss in der Bewerbung um Sie gehen (Kein anonymes „Wir“; „Ich“ habe gemacht, geforscht, erreicht…Etwas unangenehm, oder? Trotzdem!) und um Ihre „Produkte“ (Forschung, Lehre, Engagement an der Hochschule, Führungserfahrung etc.). Eine Bewerbung ist keine Liste dessen, was Sie alles noch nicht erreicht haben.

Antworten:

  1. a) Zu den üblichen Unterlagen gehören
  • das Anschreiben (1-1,5 Seiten)
  • der CV (inklusive Werdegang, Qualifikationen, selbst eingeworbene Drittmittel, Preise, hochschuldidaktische Fortbildungen, Führungserfahrungen/betreute und co-betreute Doktorarbeiten, akademische Selbstverwaltung.
  • Es gibt keine Längenbegrenzung, sondern: So kurz wie möglich und so lang wie nötig
  • Drittmittelverzeichnis
  • Publikationsverzeichnis
  • Vortragsverzeichnis
  • Lehrverzeichnis (inklusive der betreuten Abschlussarbeiten)

In vielen Fällen ist auch ein Lehr- und Forschungskonzept gefordert. Beachten Sie: Es geht um Konzepte, nicht um Profile! Neben einem retrospektiven Anteil (Was habe ich gemacht? Was sind meine Schwerpunkte?) braucht es einen prospektiven Anteil (Was plane ich? Vor allem: Was plane ich am Zielstandort? Wie passe ich mit meinen Schwerpunkten an das Institut, die Fakultät, die Hochschule? Mit welchen Bereichen möchte ich gern kooperieren?).

  1. b) Nehmen Sie einmal die Perspektive der Berufungskommission ein: Wie würden Sie die Unterlagen von 30-100 Bewerber*innen lesen? Sie wollen sich wahrscheinlich möglichst schnell einen möglichst guten Überblick zu den relevanten Informationen verschaffen. Ihre Unterlagen sollten entsprechend gestaltet sein. Die wichtigsten Informationen (Forschungsschwerpunkte, Publikationen, Drittmittel, Lehrerfahrung) sollten schnell und frühzeitig erfassbar sein.

Deshalb gilt:

  • Nummerieren Sie Ihre Publikationen im Verzeichnis.
  • Geben Sie nicht nur die einzelnen Summen Ihrer Drittmittel an, sondern auch eine Gesamtsumme der eingeworbenen Mittel.
  • Vielleicht haben Sie ein Deckblatt mit einem Inhaltsverzeichnis für Ihre Unterlagen.
  • Ihr CV kann mit einem Kurzprofil beginnen, in dem Sie in Stichpunkten die vier bis fünf wichtigsten Informationen zusammenfassen (z.B. aktuelle Position, Stand des Habilitationsverfahrens, Gesamtzahl der Publikationen und der eingeworbenen Drittmittel, Führungserfahrung, Forschungs- und Lehrschwerpunkte).
  • Die Unterlagen sollten übersichtlich und leser*innenfreundlich (z.B. Schriftgröße 11 / 12, Zeilenabstand 1.15) sein.
  1. c) Folgenden „Fehler“ beobachte ich am häufigsten: In den Unterlagen fehlt der klare und wiederkehrende Bezug zur Hochschule. In Ihrem Anschreiben sollten Sie etwa unbedingt begründen, warum Sie sich auf die Professur bewerben, warum Sie an die jeweilige Hochschule und wie Sie sich in der Hochschule einbringen möchten (Wie tragen Ihre Schwerpunkte zum Profil der Hochschule, der Fakultät und/oder des Instituts bei?).

Fortsetzung folgt! Sie sind neugierig, wie es nach der schriftlichen Bewerbung weitergeht und was es hier zu beachten gilt? Lesen Sie dazu Teil II in der nächsten Ausgabe des Blogletters von Pro Exzellenzia 4.0!

Zur Autorin:
Dr. Dieta Kuchenbrandt ist Psychologin und war mehrere Jahre als Wissenschaftlerin an verschiedenen Universitäten tätig. In ihrem Unternehmen schainundkuchenbrandt hat sie sich auf die Anliegen und Arbeitskontexte von Wissenschaftler*innen spezialisiert. Zu ihren wichtigsten Tätigkeitsschwerpunkten gehört die Unterstützung und Beratung von Postdocs, Nachwuchsgruppenleiter*innen und Juniorprofessor’innen bei der Bewerbung auf Professuren an Universitäten sowie Hochschulen.
www.schainundkuchenbrandt.com
dk@schainundkuchenbrandt.de

Unsere Stipendiatinnen.

Am 21. Januar 2020 war es soweit: Wir trafen uns mit den ausscheidenden sowie mit den neu ins Projekt eintretenden Stipendiatinnen von Pro Exzellenzia 4.0. Welch eine geballte wissenschaftliche Exzellenz. Beeindruckend!
Folgende Stipendiatinnen wurden von uns allen mit einem lachenden (neue Perspektiven und Wege tun sich für sie auf) und einem weinenden Auge (die gemeinsame Zeit hat uns miteinander verbunden) verabschiedet, da ihr Stipendium im Jahr 2019 endete: Nicola Torke (Hochschule für bildende Künste Hamburg), Katharina Saß und Charlotte Ruhmlieb (beide Universität Hamburg/UHH), Pia Preißler (Hochschule für Musik und Theater Hamburg/HfMT), Pia Preißler (HafenCityUniversität/HCU), Dr. Ann Christin Parplys (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf/UKE) und Jana Voth (Hochschule für Angewandte Wissenschaft Hamburg/HAW). Wir wünschen allen Stipendiatinnen auf diesem Wege noch einmal alles Gute und freuen uns, wenn wir Euch zur feierlichen Zertifikatsvergabe am 17. November 2020 im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung „Network o fand for women – Pro Exzellenzia 4.0 & LaKoG“ wiedersehen.
Neu als Stipendiatinnen im Programm sind: Constanze Schmidt und Dr. Kirsten David (beide HCU), Dr. Sonia Singh (UKE), Dr. Özge Alacam (UHH), Aigerim Seilova (HfMT), Anna Tautfest (HfBK), Lisa Taplick (HAW) und Susanne Kröncke (UHH). Gemeinsam mit Lisa Michel (HAW), Elisabeth Rech (HCU), Narjes Jalali (HSU), Viviane Silva Teixeira (TUHH), Stefanie Kaul und Asma Sikander (beide HAW) – deren Stipendium weiterläuft – sind zurzeit 14 exzellente Stipendiatinnen bei Pro Exzellenzia 4.0.
Im Anschluss gab es noch einen Umtrunk und eine kleine Abschiedsfeier von der Projektkoordinatorin Nele Gerkens, die das Projekt Anfang des Jahres verlassen hat. Wir danken für die gute Zusammenarbeit und wünschen ihr für die berufliche Neuorientierung alles Gute!

Unseren Jubiläumsauftakt mit der Zweiten Bürgermeisterin, Gleichstellungs- und Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank.

Eröffnet wurde der Abend mit einer Begrüßungsrede durch die Projektleitung Doris Cornils, in der sie allen ehemaligen und derzeitigen Unterstützer*innen, Macher*innen und Begleiter*innen auf dem Weg von zehn Jahren Pro Exzellenzia dankte. Ein Highlight des Abends war das wertschätzende Grußwort der Gleichstellungssenatorin Katharina Fegebank. „Pro Exzellenzia hat sich in den vergangenen zehn Jahren zum bundesweiten Vorbild in der Förderung von Frauen für Führungspositionen entwickelt. Über Stipendien, Netzwerkprogramme und Workshops werden die zahlreichen hervorragend qualifizierten Frauen in Hamburg bei ihrer Karriereplanung in den unterschiedlichsten Fachgebieten bereits frühzeitig unterstützt. Von ihrer Expertise profitieren Unternehmen, Hochschulen und die Gesellschaft nachhaltig. Ich danke den Verantwortlichen von Pro Exzellenzia herzlich für diesen wichtigen Beitrag zur Gleichstellung von Frauen in Hamburg – Happy Birthday und weiterhin viel Erfolg!“

Dass das Engagement für mehr Frauen in Führung auch zukünftig von großer Relevanz ist, verdeutlichte Prof. Barbara Schwarze, Hochschule Osnabrück, in ihrem Festvortrag „Let´s go digital! Karrieren für Frauen in digitalen Zeiten“. Sie belegte anhand zahlreicher Studien, dass mit der Digitalisierung der Arbeitswelt neue Herausforderungen für die Karrieren von Frauen verbunden sind.  Prof. Barbara Schwarze ist Soziologin und seit 2007 Professorin für Gender und Diversity Studies an der Hochschule Osnabrück. Außerdem ist sie Vorsitzende des Kompetenzzentrums Technik-Diversity-Chancengleichheit und Mitglied in zahlreichen Organisationen u. a. des Präsidiums der Initiative D21. Die Initiative D21 legt den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf die Chancengleichheit in der digitalen Gesellschaft.

Jelena Dabic, eine ehemalige Stipendiatin von Pro Exzellenzia, und ihre Kollegin Lin Chen begleiteten den Abend musikalisch. Jelena Dabic ist Komponistin, Konzertdesignerin und künstlerische Leiterin des Silkroad Festivals. Lin Chen ist Schlagzeugerin und Performerin. Jelena Dabic und Lin Chen arbeiten seit vielen Jahren, unter anderem beim Silkroad Festival zusammen. Beim Silkroad-Festival werden alte Musiktraditionen und Volksinstrumente der Seidenstraße mit neuen musikalischen Elementen verbunden. Aus dem Silkroad Repertoire hörten die Gäste, das von Jelena Dabic für die Besetzung komponierte Stück „silk-road-reloaded“ sowie das chinesische Volkslied „Spring in Pamir“, das von den beiden Musikerinnen bearbeitet wurde. Die beiden Musikerinnen nahmen uns mit auf eine wundervolle Reise auf die Seidenstraße und verzauberten uns mit ihren Klängen.

Eine wunder-volle Überraschung kam zum Schluss vom offiziellen Teils des Abends. Die aktuelle Stipendiatin Narjes Jalali hat eine Torte gezaubert, von der jede*r annahm, sie käme aus der edelsten Konditorei. Diese überreichte sie, gemeinsam mit der Stipendiatin Charlotte Ruhmlieb der Projektleitung Doris Cornils. Beide bedankten sich im Namen aller Stipendiatinnen für die Unterstützung und Begleitung durch das Projektteam und sprachen ihre Glückwünsche zu 10 Jahren Pro Exzellenzia aus.

Die Gäste des Abends, darunter Präsidien der Hamburger Hochschulen, Vertreter*innen der ESF-Behörde und der BWFG, Stipendiatinnen, Beiratsmitgliedern, Trainerinnen, Gleichstellungsbeauftragten und –referentinnen, Teilnehmerinnen und viele weitere aus dem Netzwerk von Pro Exzellenzia, feierten bei köstlichem Essen, Geburtstagstorte und Getränken im Foyer vom Spiegelsaal des Museums für Kunst und Gewerbe.

Danke an ALLE, die diesen Abend zu dem gemacht haben was er war: Ein tolles und würdiges Fest für 10 Jahre Pro Exzellenzia!

Zweite Bürgermeisterin und Wissenschafts- und Gleichstellungssentorin Katharina Fegebank mit den Präsidien der HAW, HCU, HfMT und HSU
Zweite Bürgermeisterin und Wissenschafts- und Gleichstellungssentorin Katharina Fegebank mit Burkhard Strunk (ESF-Leitung) und Martin Mahn (Geschäftsführer Hamburg Innovation GmbH, Projektträger von Pro Exzellenzia)
Zweite Bürgermeisterin und Wissenschafts- und Gleichstellungssentorin Katharina Fegebank mit Pro Exzellenzia-Beiratsmitgliedern
Grußwort der Zweiten Bürgermeisterin und Wissenschafts- und Gleichstellungssentorin Katharina Fegebank
Begrüßung durch Doris Cornils
Festvortrag Prof. Barbara Schwarze
Jelena Dabic und Lin Chen

Networking, Austausch, Gespräche…
Anschneiden der Geburtstagstorte
Gute und unterhaltsame Gespräche, fröhliche Stimmung

Alle Fotos: Frank Krems

Pressestimmen und Gratulationen:

Social Media für Wissenschaftlerinnen

Social Media für Wissenschaftlerinnen zählte 2019 zu einem unserer Fokusthemen. Die Sichtbarkeit in den sozialen Medien ist für Wissenschaftlerinnen sehr wichtig und wird immer bedeutsamer. Allein die Nachfrage nach dem Workshop „Digitales Selbstmarketing und Social Media für Wissenschaftlerinnen“ mit der Trainerin Susanne Geu, dem Lunchmeeting „Follow me! – Soziale Medien im Kontext wissenschaftlicher Karrieren“ in der Reihe „Pro Exzellenzia meets UHH“ und dem Vortragsabend mit Tijen Onaran „Social Media: Selfieshow oder Selbstpositionierung“ hat gezeigt: Es gibt großen Informations- und Austauschbedarf! Auf den Veranstaltungen wurde deutlich: Es existieren zahlreiche Fragen und Unsicherheiten im Umgang mit den sozialen Medien.

Beim Lunchmeeting „Follow Me!“, das dieses Mal mit den Kooperationspartnerinnen der UHH MIN stattfand,[1] hatten wir tolle Expertinnen aus der Wissenschaft mit an Bord, die dem Publikum von ihren Erfahrungen berichteten und an ihren Expertisen teilhaben ließen. Kira Oster, die Social Media Redakteurin der UHH, führte in ihrem Impulsvortrag mit einer Übersicht über Social-Media-Kanäle, ihre Reichweite und Nutzungsmöglichkeiten für Wissenschaftlerinnen ein und gab den Zuhörerinnen abschießend Dos and Don´ts mit auf den Weg. Prof. Dr. Dorota Koziej (Physik) und Samantha Lutz (Kulturwissenschaften) berichteten von ihren persönlichen Erfahrungen wie sie als Wissenschaftlerinnen die sozialen Medien nutzen und betonten wie wichtig es ist als Wissenschaftlerin die eigene Expertise in den entsprechenden Kanälen wie Twitter, LinkedIn etc. sichtbar zu machen. Zu den zentralen Diskussionsfragen im Forum zählten: Wie gelingt eine Abgrenzung zwischen Privatperson und Wissenschaftsrolle? Wie kann eine Profilbildung (Selbstpositionierung) erfolgen? Was sind „gute“ Posts? …und andere mehr.
Die Frauen hatten die Chance sich während der Veranstaltung via Social Media untereinander sowie mit den Expertinnen und Veranstalterinnen zu vernetzen. Im anschließenden Lunchmeeting wurde begeistern geplauscht, beraten und vernetzt. Eine wirklich schöne und inspirierende Veranstaltung für alle!

Inhaltlich und atmosphärisch wundervoll war auch die Veranstaltung mit Tijen Onaran in Kooperation mit der Brigitte Academy im Warburghaus am 23. November. Mit Tijen Onaran haben wir eine bekannte Social-Media-Expertin, Autorin, Speakerin und Unternehmerin gewonnen. Sie ist eine Macherin und bewegt Themen, Menschen und Projekte. Sie hat unter anderem Global Digital Women ins Leben gerufen, ein Netzwerk, dass sich für die Vernetzung und Sichtbarkeit von Frauen in der Digitalbranche engagiert.
Der Titel des Vortrags „Social Media: Selfie-Show oder Selbstpositionierung?“ verdeutlicht es bereits: Wohl kaum ein anderes Thema wirkt so stark polarisierend wie Social Media. Auf der einen Seite gibt es Menschen, die digitale Abstinenz praktizieren, auf der anderen Seite Influencer*innen, die Produkte und Dienstleistungen via Social Media vertreiben und weitere, die sich über die Kanäle inszenieren. Doch Social Media ist mehr: Es ist auch ein zentrales Vernetzungs- und Kommunikationstool der Gegenwart, mit einer stetig wachsenden Bedeutsamkeit für die berufliche Karriere. Für Wissenschaftlerinnen geht es um die Nutzung sozialer Medien wie beispielsweise Twitter zwecks Austauschs und dem Erhalt aktueller Informationen über Tagungen und Publikationen aus der Wissenschaftscommunity sowie und vor allem um Sichtbarmachung ihrer Expertisen. Im Zentrum steht deshalb, so Tijen Onaran, das Personal Branding. Dieses gilt es Step by Step entlang von drei Fragen aufzubauen: 1. Was ist Dein Ziel? 2. Was macht Dich einzigartig? 3. Wie kommunizierst Du Deine Personal Brand? Es ist wichtig, so Tijen Onaran, eine eigene Position zu entwickeln und aktiv zu vertreten, die authentisch ist. Das Brand muss aber auch zum Medium passen, deshalb geht es darum den für die eigenen Ziele passenden Kanal zu wählen. Während beispielsweise LinkedIn sich anbietet, wenn es um internationale Sichtbarkeit und Vernetzung geht, haben Twitter und Instagram andere Schwerpunkte, so die Expertin. Schlussendlich gibt es in der Social-Media-Welt Dos (Themensettings konsequent etablieren) und Don´ts (politische Statements) – und mit diesen schloss Tijen ihren spannenden und inhaltsvollen Vortrag ab.

In einem persönlichen Gespräch, dass Doris Cornils anschließend mit Tijen Onaran auf der Bühne führte, erfuhren die Zuhörerinnen wie Tijen Onaran selbst als Social Media-Expertin agiert, wie sie ihre Akkus auftankt und warum sie niemals etwas Privates postet, aber dennoch ihre Hunde, die ein sehr wichtiger Bestandteil in ihrem Leben sind, in den sozialen Medien zu sehen sind und sogar eigene Accounts haben. Ich gebe an dieser Stelle offen zu: Ich bin nicht nur inhaltlich, sondern auch auf der menschlichen Ebene Tijen-Fan. Sie ist eine großartige Frau, die Großes vollbringt! Danke für diesen wundervollen Abend!

Unser Dank geht auch an die Brigitte Academy. Wir hatten das große Glück, dass sie als Medienpartnerin an unsere Seite war. Die wundervolle Anissa hat den Abend via Social Media über Instagram begleitet. Vielen lieben Dank an Anissa an dieser Stelle!
Pro Exzellenzia hatte an diesem Abend Instagram-Taufe: Wir sind jetzt also nicht nur auf Twitter, sondern auch auf Instagram aktiv. Sollten Sie mit uns noch nicht dort vernetzt sein, dann freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme!

[1] Danke an Euch, liebe Christina und liebe Sophia für die super Zusammenarbeit; sowie an Sebastian von CLCCs für Deine Unterstützung!

Quelle Foto: Pro Exzellenzia 4.0

Mit Feuer und Flamme für Frauen in Führung.

Die Entstehungsgeschichte dieses neuen Formats ist wundervoll, denn sie basiert auf persönlicher Sympathie unter Frauen und dem gemeinsamen Wunsch etwas Neues für Frauen anzubieten. In kreativen Gesprächen entwickelten Isabel Brandner, Dagmar Adamczewski und Doris Cornils das neue Format „Mit Feuer und Flamme für Frauen in Führung“. In der Winterzeit laden die Universität Hamburg Marketing GmbH und das Hamburger Abendblatt im Rahmen des Weiterbildungsprogramms „Weiterkommen“ gemeinsam mit Pro Exzellenzia 4.0 zu zwei Abenden am virtuellen Kaminfeuer ein, an denen ein Vortrag und der persönliche Austausch im Mittelpunkt stehen.

Unseren Auftakt am 28.11.2019 dürfen wir als Bestätigung für das neue Format auffassen: Wir waren gut besucht, die Atmosphäre war locker und angenehm, es kamen viele interessante Diskussionsfragen auf, die Teilnehmerinnen haben sich miteinander und ihre Visitenkarten ausgetauscht und wir bekamen viele positive Rückmeldungen. Also (viel) mehr geht nicht! In ihrem Vortrag „Bits. Byts. Gender. Impulse für eine geschlechtergerechte digitale Transformation“ ging Doris Cornils auf die aktuellen Herausforderungen im Zuge der digitalen Transformation ein. An Beispielen verdeutlichte sie, warum es für die Zukunft unserer Arbeits- und Lebenswelt von großer Bedeutsamkeit ist, dass wir die digitale Transformation, allen voran die Entwicklung künstlicher Intelligenz (KI), im Sinne einer geschlechtergerechten und von Vielfalt geprägten Welt aktiv mitgestalten. Der Vortrag regte eine interessante Diskussion und Reflexion des eigenen Handelns und der Mitgestaltungsmöglichkeiten an. Im Anschluss an den Vortrag wurden die Gespräche bei alkoholfreiem Glühwein (köstlich) und leckerem Weihnachtsgebäck (ebenfalls lecker) fortgesetzt, wild genetzwerkt und gelacht.

Bei der zweiten Veranstaltung im Winter 2019/2020 von „Mit Feuer und Flamme für Frauen in Führung“ am 25.2.2019 wird es um „Körper & Macht. Die Kunst der Körpersprache“ gehen. Er findet wieder in tollen und wunderschön dekorierten Räumen statt. Wo? Das erfahren Sie nach der Anmeldung: https://pro-exzellenzia.de/event/feuer-und-flamme-fuer-frauen-in-fuehrung-2020/.

Foto: Pro Exzellenzia 4.0

Zertifizierung des dritten Durchgangs der Qualifizierung für Migrantinnen am 3. Dezember 2019.

Wenn wir auf die Anfänge zurückblicken, sahen wir uns im Jahr 2017 einer großen Herausforderung gegenüber diese neu konzipierte Programmlinie für die Zielgruppe bekannt zu machen. Wir haben über das Programm vielfach informiert und es zahlreichen potenziellen Netzwerk- und Kooperationspartner*innen vorgestellt. Nun, drei Jahre später, erfreut es uns, dass die Qualifizierung für Migrantinnen von Jahr zu Jahr mehr Teilnehmerinnen zu verzeichnen hat, die Qualität und Mehrgewinne sich im Netzwerk herumsprechen und inzwischen die dritte Gruppe erfolgreich zertifiziert wurde. Und auch in diesem Jahr zeigte sich, dass die Teilnehmerinnen von dem Mix aus Coaching und Beratung vielfach profitiert haben und dass der Austausch und die gegenseitige Unterstützung innerhalb der Gruppe von großem Gewinn für sie waren.

Wir gratulieren zum erfolgreichen Abschluss!

Foto: Pro Exzellenzia 4.0

Mit Ihnen 10 Jahre Pro Exzellenzia feiern!

Pro Exzellenzia wurde vor zehn Jahren von den damaligen Gleichstellungsbeauftragten der sieben Hamburger Hochschulen gemeinsam mit dem Projektträger Hamburg Innovation GmbH erstmalig ins Leben gerufen. Finanziert wird das Projekt aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und von der Freien und Hansestadt Hamburg. In unserer Jubiläumsreihe blicken wir gemeinsam mit vielen Akteur*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung, Politik, Kultur und Medien auf erfolgreiche zehn Jahre für mehr Frauen in Führung zurück und auf zahlreiche Erfolge, die sich in beindruckenden Biografien von Frauen in Führungspositionen widerspiegeln.
Im Rahmen von acht Jubiläumsveranstaltungen mit verschiedenen Kooperationspartner*innen rufen wir neue Formate ins Leben und bewegen aktuelle sowie zukunftsweisende Themen zu Frauen in Führung und Digitalisierung, Chancengleichheit und Diversity, Wege in die Professur in den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, Karrierenetzwerke und Networking in der Medizin, Verhandlungsstrategien im Wissenschaftssystem, Macht und Körpersprache sowie Frauen und Führung in MINT. Zu einem weiteren großen Event zählt unser generationsübergreifendes Barcamp zur Zukunft der Arbeit.

Ich bin mir sicher, dass für jede*n von Ihnen etwas Passendes dabei ist. Lassen Sie uns zusammen feiern! Machen wir uns gemeinsam für eine geschlechtergerechte Arbeits- und Führungswelt und für Chancengleichheit stark!

Die Teilnahme an allen Veranstaltungen ist kostenlos. Eine Anmeldung ist über unsere Webseite notwendig. Bitte beachten Sie bei Ihrer Anmeldung, dass einzelne Angebote sich ausschließlich an Frauen richten, andere wiederum für Frauen und Männer geöffnet sind. Hier geht es zur Übersicht und Anmeldung: https://pro-exzellenzia.de/kuenftige-vortraege/

 

 

Mit unserem Qualifizierungsprogramm 2020 weitere Frauen in Führung bringen!

Zusätzlich zu der Jubiläumsreihe gibt es auch im neuen Jahr die vier weiteren Programmlinien. Die Gleichstellungsbeauftragten der sieben Hamburger Hochschulen haben wieder tolle Stipendiatinnen ausgewählt. An dieser Stelle geht mein Dank an alle Gleichstellungsbeauftragten für die gute und produktive Zusammenarbeit!
Im Stipendien-Programm erhalten die Doc- und Post-Doc-Stipendiatinnen nicht nur eine finanzielle Unterstützung, sondern auch ein Qualifizierungsprogramm. Sie nehmen an Workshops teil, treffen sich auf Stipendiatinnentreffen sowie regelmäßig untereinander, besuchen die Bewerbungsberatung, die ihnen auch für Karrierefragen offensteht, haben Anspruch auf zwei Einzelcoachings pro Jahr, nehmen an Vortrags- und Netzwerkveranstaltungen teil und erhalten über die Öffentlichkeitsarbeit von Pro Exzellenzia 4.0 und über die vom ESF Hamburg die Chance als Wissenschaftlerin sichtbar(er) zu werden.

Am 21. Januar 2020 begrüßen wir die neuen Stipendiatinnen bei Pro Exzellenzia 4.0. Stipendiatinnen, die bereits im Programm sind, tauschen sich mit den neuen aus, vernetzen sich und berichten von ihren Erfahrungen bei Pro Exzellenzia 4.0. Mit einem weinenden und einem lachenden Auge werden wir jene mit einer feierlichen Zertifikatsübergabe verabschieden, die am 31.12.2019 ausscheiden werden. Es gibt so wunderbare Erfolge aus dieser Runde zu berichten. Zwei möchte ich gerne kurz vorstellen. Die Stipendiatin Dr. Ann-Christin Parplys hat das Qualifizierungsangebot von Pro Exzellenzia 4.0 aktiv in Anspruch genommen. Sie berichtete vor einigen Tagen glücklich, dass sie die Zusage für eine Forschungsstelle in einem renommierten, außeruniversitären Forschungsinstitut erhalten habe. Mit dem Forschungsgebiet, das ihr zukünftig obliegt, hat sie ein Alleinstellungsmerkmal als Wissenschaftlerin in Deutschland; und auch international gibt es nur sehr wenige Wissenschaftler*innen, die sich mit der Fragestellung befassen. Wir gratulieren und freuen uns mit Dr. Ann-Christin Parplys über diesen Karriereschritt! Bei der zweiten Stipendiatin handelt es sich um Charlotte Ruhmlieb. Ähnlich wie Dr. Parplys hat sie das Angebot von Pro Exzellenzia 4.0 sehr produktiv für sich nutzen können. Auch an Charlotte Ruhmlieb unsere Glückwünsche zu dem nächsten Aufstiegssschritt! Wir freuen uns sehr, dass wir Euch dabei unterstützen und begleiten durften.

Beide Stipendiatinnen haben durch die Öffentlichkeitsarbeit von Pro Exzellenzia 4.0, in Zusammenarbeit mit der Öffentlichkeitsarbeit der finanzierenden Behörde ESF-Hamburg und anderen Presseorganen, mehr Sichtbarkeit als Wissenschaftlerinnen erlangt. Kürzlich erschien unter der Rubrik „Make it in Hamburg“ beim ESF-Hamburg ein Interview mit Charlotte Ruhmlieb (Sie finden es unter „Über Frauen, die entscheiden mehr zu wollen“ im Blogletter). Mit Dr. Ann-Christin Parplys gab es mehrere Öffentlichkeitsbeiträge; einer davon erschien in der Hamburg Women mit dem Titel „Karriere und Familie – beides bitte!“ http://hamburgwoman.de/karriere-und-familie-beides-bitte/.

Im Workshop-Programm, das sich an Hochschulabsolventen aus MINT, Kunst, Musik, Architektur und Geisteswissenschaften mit dem ersten Wohnsitz in HH richtet, finden Sie im Jahr 2020 viele neue spannende Angebote zur Karriere- und Führungsthemen. Achtsames Selbstmanagement in agilen Zeiten, Kommunizieren und Führen mit der Transaktionsanalyse, Sexualisierung am Arbeitsplatz, Bloggen für Wissenschaftlerinnen, New Work und Führung, Führen aus der Zukunft zählen dazu, um nur einige zu nennen. Dass es sich um ein innovatives neues Portfolio handelt, zeigen uns die Anmeldezahlen. Nach drei Wochen sind bereits die ersten Workshops ausgebucht. Sollten Sie die Voraussetzungen für eine Teilnahme erfüllen, melden Sie sich also schnell an, um einen Platz zu erhalten.  https://pro-exzellenzia.de/kuenftige-workshops/.

Eine hohe Nachfrage haben wir auch bei der Bewerbungsberatung. Auch hier ist bereits der erste Termin im Februar ausgebucht. https://pro-exzellenzia.de/bewerbungsberatung/. Und auch die Plätze für die Qualifizierung für Migrantinnen, die Ende August 2020 startet, sind bereits zur Hälfte vergeben. Hierfür erhalten Sie weitere Informationen und können sich bei Interesse anmelden unter: https://pro-exzellenzia.de/qualifizierung-von-migrantinnen/.

Herzlich Willkommen im Beirat von Pro Exzellenzia 4.0, liebe Dr. Angelika Paschke-Kratzin!

Pro Exzellenzia: Liebe Frau Dr. Paschke-Kratzin, wir freuen uns ausgesprochen, dass Sie den Beirat von Pro Exzellenzia 4.0 mit Ihrer Expertise und Perspektive bereichern. Sie sind Gleichstellungsbeauftragte der Universität Hamburg und Vorsitzende der Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten (LaKoG). Wie war Ihr Weg in die Gleichstellung?

Dr. Paschke-Kratzin: Zunächst war ich 21 Jahre Gleichstellungsbeauftragte, zuerst noch Frauenbeauftragte, am Fachbereich Chemie und parallel dazu die letzten neun Jahre Gleichstellungsbeauftragte in der Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften und vier Jahre stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Universität Hamburg. Seit nun mehr fast fünf Jahren bin ich Gleichstellungsbeauftragte der gesamten Universität Hamburg.

Meine erste Wahl vor nahezu 26 Jahren verlief so, dass man im Institut für Biochemie und Lebensmittelchemie dringend eine neue Frauenbeauftragte brauchte und mich in Abwesenheit und ohne Rücksprache im Institutsrat wählte. Der Geschäftsführende Direktor begegnete mir nach der Sitzung per Zufall auf dem Flur und gratulierte mir zu meinem neuen Amt. Also, zur Gleichstellungsarbeit bin ich quasi wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. Inzwischen bin ich etwas gereift und kümmere mich immer noch um das Thema in all‘ seinen Facetten wie Geschlechtergerechtigkeit, Vereinbarkeit und Diversität; aus Überzeugung und mit Leidenschaft.

Pro Exzellenzia: Gab es Karrierestrategien, von denen sie heute sagen würden, dass sie besonders hilfreich für Sie persönlich waren?

Dr. Paschke-Kratzin: Wenn Sie so wollen, habe ich zwei Karrieren, als Gleichstellungsbeauftragte und als Lebensmittelchemikerin. In beiden Fällen ist die Vernetzung und der Austausch mit nationalen und internationalen Kolleg*innen sehr wichtig gewesen. Und der diplomatische Weg war für mich immer der erste und wichtigste. Wenn man gibt, kann man auch nehmen bzw. fordern.

Pro Exzellenzia: Was raten Sie Frauen, die eine Professur im Wissenschaftssystem anstreben?

Dr. Paschke-Kratzin: Für das Karriereziel Professur sind Flexibilität sowohl geografisch als auch thematisch bezogen auf das Forschungsgebiet wichtig, ein gutes Organisationsvermögen – beruflich wie auch privat und sein Licht nicht unter den berühmten Scheffel zu stellen, sondern selbstbewusst, bestimmt und doch verbindlich aufzutreten. Und auch hier gilt es, immer wieder zu netzwerken und sich bekanntzumachen. Auf dem Weg zur Professur braucht es manchmal einen etwas längeren Atmen. Die Leidenschaft für das Thema, die auch Voraussetzung ist, lässt einen jedoch meistens nicht in Luftnot geraten.

Pro Exzellenzia: Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Engagement als Beiratsmitglied von Pro Exzellenzia 4.0?

Dr. Paschke-Kratzin: Da ich aus den Naturwissenschaften komme, ist mir die Frauenförderung immer noch eine DER Herzensangelegenheiten. Dies ist ein Kernthema von Pro Exzellenzia. Hier unterstütze ich gern und gebe Ideen zu Projekten und Impulse aus der langjährigen Erfahrung in der Gleichstellung bzw. Gleichstellungspolitik. Als echte Hamburgerin freue ich mich natürlich auch ganz besonders, ein solches Projekt für diese wunderbare Stadt unterstützen zu können.

Pro Exzellenzia: In drei Stichworten: Was sind die zentralen Gleichstellungsthemen der Zukunft? Besonders im Hinblick auf Führungskompetenzen und Gender.

Dr. Paschke-Kratzin: Das Zusammenspiel von Diversität und Geschlechtergerechtigkeit zu meistern, ohne dabei die Frauenförderung in den Bereichen, in denen Frauen noch unterrepräsentiert und strukturell benachteiligt sind, zu vergessen und vor allem auch immer wieder die Führungskräfte für die Querschnittsthemen Geschlechtergerechtigkeit, Vereinbarkeit und Diversität zu sensibilisieren.
Alle, auch die Männer, mit in die Pflicht für mehr Chancengleichheit zu nehmen – Gerechtigkeit gelingt nur, wenn alle Geschlechter etwas davon haben und daran beteiligt werden.
Letztlich eine angemessene Teilhabe aller zu sichern, unabhängig von Geschlecht, familiären Verpflichtungen, Alter, Herkunft, Beeinträchtigung, Orientierung oder Religion. Dabei ist individuelle Förderung nur eine Sache, auch das System und Bewusstsein müssen sich bewegen.

Pro Exzellenzia: Ich danke Ihnen sehr herzlich für das Interview!

Foto Quelle: Dr. Paschke-Kratzin UHH